Leseproben



Pontontrost aus Letzter Stock im Feuer

Natürlich wollte kein Mensch wirklich etwas über die Sinnlosigkeit seines Daseins wissen.
Deshalb gab es ja das Fernsehen, die menschlichen Rudervereine, nächtliche Anglerbrigaden, überfüllte Swingerclubs und die lang verbreitete und irrsinnige Annahme, diesen lebendigen Nihilismus mit immer mörderischeren Kriegen an seinen sinnlos geformten und dennoch ausgeleierten Eiern packen zu können.
Die Menschheit hatte lange eingepackt. Nur wusste sie nicht, dass ihr Kulturbeutel auch ohne Reißverschluss in kein Gepäckstück fürs auswärtige Ende gehörte.

Die Frau schaltete durch ihre 34 Programme, blieb bei äöü, einem Verkaufssender, kleben und besah sich die gedrehten Creolen aus Sterling Silber für 29,95 Euro. „… wir zeigen sie Ihnen nun das dritte Mal! Und jedes Mal waren sie nach wenigen Sekunden ausverkauft! …“, quasselte der Kerl vom Werbekanal. „… sehen Sie? Jetzt ist das schöne Exemplar schon wieder weg! …“, schrie er die sich in letzter Sekunde eine Bestelltelefonnummer abschreibende Frau an. „Jetzt, ebenfalls aus Sterling-Silber, für alle Generationen, für jung gebliebene Alte und sich alt fühlende junge Leute, ein geflochtenes Heringarmband für 26,50 Euro! Ich finde die Rückseite beinahe so interessant wie die Vorderseite, denn beide Seiten strahlen …“
Das Gute an einem Verkaufskanal war, dass keine Werbespots zwischen der Dauerwerbung liefen. Die Frau mochte das.
Plötzlich stand der gestriegelte Kerl im Fernsehen zwischen zwei aufgeschichteten Obstbergen. Halbe und mit der wässrigen roten Frucht zum Zuschauer drapierten Melonen, blaue und grüne Weintrauben, gigantische Eierpflaumen, Apfelsinen, mehrfarbige Äpfel, gelbe Birnen, entsteinte Pfirsiche und entkernte Nektarinen, mehrfach gespaltene Honigmelonen, ganze Kiwis, Mangos und, um den Obstbergen als Rundumfundament zu dienen, geschlossene haarige Kokosnüsse. „Und jetzt habe ich für Sie eine universale Saftpresse! Innerhalb von wenigen Sekunden brauchen Sie das Obst nicht mehr essen, sondern können es trinken! Und alles für nur 15,98 …“
Oben rechts im Bildschirm liefen Zahlen rückwärts, die von dem immensen telefonischen Abkauf der Saftpresse zeugen sollten.
„Brausebär, hier gibt’s grade ’ne universelle Saftpresse! Soll ich uns die bestellen!? Dann brauchen wir Obst nicht mehr essen, dann können wir das verschiedenste Grünzeug gleich trinken! Ist doch besser als ewig reinbeißen, oder!?“, rief die Frau durch die Wohnung.
„Mach doch! Ist doch sowieso ’n Saftladen hier!“, rief der Mann zurück.
„Und die Creolen auch!!?“, hörte er seine Frau.
„Klar, die Dinger braucht man doch zum Saftpressen …“, hörte sie ihren Mann.
Es war ihm so furchtbar scheißegal. So schlimm egal, als würde sie mit einem anderen Mann ins Bett steigen und an keiner seiner emotionalen Fronten eine Reaktion auslösen.
Die Frau telefonierte und schaute beobachtend die rückwärtslaufenden Zahlen im Fernsehen an, trommelte nervös mit den Fingern auf einem ihrer Oberschenkel. Irgendwer fing ihren Anruf ab, nur nicht der Typ im Fernsehen. Und doch hörte sie die telefonische Zuschaltung einer Frau auf dem Sender: „… äöü ist mein absoluter Lieblingssender … wenn ich Sie anhabe, brauche ich keinen anderen Film und nichts! Ich kann dann absolut abschalten … aber ihr macht mich arm, denn die goldenen Creolen von letzter Woche könnte ich schon wieder glatt wegwerfen für die tollen Sterling-Creolen von eben! Aber ich kann bei Ihnen so schön entspannen …“
„Na, dann schauen Sie mal, was ich jetzt für Sie habe! Dieses Topfset mit zugehöriger Bratpfanne, Waffeleisen, digitalisiertem Eierabschrecker und Schöpfkellen, Topflappen und Geschirrhandtücher im selben Design …“
Die Frau auf dem Sofa hatte inzwischen ihre Creolen und die Saftpresse sicher, legte den Hörer zurück und zählte die Teile des Topfsets. Entspannend.

Wieder hatte etwas Sinnloses die Überhand. Doch es schläferte ein und der Mann wärmte am Herd restliche Buletten auf, wischte nach dem Essen seine fettigen Lippen am Handrücken ab und ihm war widerwillig fremdgesteuert klar, dass immer erst das Fleisch und das Fett kamen und erst dann der weite, alte, ausgeleierte Saft, sah im Wohnzimmer seine weggenickte Frau mit hängendem Kinn und wie tot auf dem Sofa hocken und äöü mit bunten Schwimmreifen und aufblasbaren Tieren flimmern.


landt

die singvögel, die zwerge und die gärten im fleisch anbei aus alles ist noch zu begreifen

meine mit branntwein gefüllten därme ließen mich kreisen.
kreisen, wie ein ende eines darmseils zum vernichten im springen. das andere ende des seiles blieb sie.
ich kletterte auf das dach ihres wagens für personen und die tiere im haus, legte mich aufs blechdach und hängte mein gesicht kopfüber vor ihre scheibenwischer, trommelte ihrem gesicht, ihren augen, ihrem großen, dick geschminkten mund entgegen, strampelte und schrie: „fahren! fahren! los, fahr ab!“ ich wollte weg. nichts in mir hatte eine ahnung, wohin mein inneres mit mir wollte. es wusste nichts von mir, und es brauchte mich ohnehin nicht zu befragen.
zwecklos. was sollte ein ich mit einem kescher voller fragezeichen anfangen? die sinnlose beute wieder unter die leute streuen?
sie fuhr nicht.

und als sie fuhr, griff ich ins lenkrad, in ihre fahrweise und leckte ihren hals.
das tauziehen unserer därme hielt an. unter meinem mantel blieb um 3.00 uhr nur ich mit meiner bleichen haut. ich hatte mir nicht die zeit genommen, meine schamhaare grün zu färben, knöpfte mich gänzlich zu und jaulte: „du und ihr und ich, wir bleiben wie sie selber!“, riss mein geburtstagsgeschenk, ihre eingesperrten pflanzen, aus der erde eines bunt angepinselten porzellantopfknastes, sprang auf der straße auf die fallengelassenen, unschuldigen pflänzchen und den porzellantopf ließ ich dasselbe tun. die einzigen, die etwas dagegen zu sagen hatten, waren einige wenige singvögel in dieser stadt.

am nächsten tag strahlte die sonne in mein dasein, und die sonne meinte: „fahr doch mit ihr zur see, oder heirate! heirate doch diese frau! oder brate euch, schmor ihr doch einen großen klumpen fleisch!“ ich nahm keinen dieser ratschläge an, zog mich bei ihr raus, verdrehte die augen, und unsere scherben und die pflänzchen mit den winzigen blüten hatte der italiener unter uns schon lange aufgekehrt!
sie sagte: „traust du dir zu, zu spekulieren? so bisschen börse mit computer? hast du ein bisschen durchblick in wirtschaft, vielleicht warentermin?“ ich hörte auf, meine augen zu verdrehen und meinte: „ich will die zwerge in hamburg! und ein paar von ihren gedichten, und ihre gärten, und wirtschaften für deren gäste!,
spritzte etwas später in ein tempotaschentuch, hielt es fest, betätigte mit der anderen hand stehend und etwas abwesend die fernbedienung eines japanischen gerätes, sah den amerikanischen präsidenten auf dem bildschirm und am brandenburger tor in berlin. der präsident sagte: „mister gorbatschow, reißen sie die mauer nieder!“ einige leute kreischten und ich schleppte meinen durchgesuppten zellstoff zum aufklappbaren mülleimer in ihrer küche.


landt

Grunddessenfeger aus Realität ist Zauberwald



und dann hatten sie mich schon im wagen drin,

weil,

das herz schlug wehe haken.

und ihr silberner koffer war zu, und ein weißer vorhang ging hoch und gleich wieder runter. und das teure bett war plötzlich nur meins, und das material auf dem ich lag, konnte ich nicht erkennen.

die sonne kam nicht durch am nächsten tag in den tiefer gelegenen raum, doch hinter dem zugezogenen stoff hörte ich diese frau: "es tut so weh, ich will nicht sterben!"

"was denn?" fragte ein stehender mensch, und sein umriss umschattete mein abgelegtes getrenntsein.

"die därme, herr doktor! die ganze kloschüssel war wieder so voll blut!"

"war schon wieder so voll blut?" fragte der doktor, "wie alt sind sie denn?"

"siebenundsiebzig." stöhnte die frau.

"ein schönes alter." sagte der doktor.

"ich will nicht, bitte herr doktor, ich will nicht sterben!"

und dann kam doch noch etwas licht ins zimmer, nur nicht von draußen, so ein zusätzliches, nervöses flackern einer röhre von der decke, und plötzlich stürzte der schatten auf mich zu, riß den vorhang weg, stand zu fleisch geworden an meinem fußende fest: "und was haben sie die letzte nacht gehabt?" fragte er mich.

"vermutlich herzinfarkt. das labor hat noch nichts runtergeschickt." schaltete sich die dazugesellte schwester ein.

"wenn was frei ist, morgen katheterisieren." gab er der schwester zum notieren an.

und wie gut sein stehen mir bekam. zwischen dem furchtbaren flehen der frau und seinem baumwollseitenwechsel zog er, ohne es zu wissen, meinen zustand auf die richtige seite, ließ durch das ziehen des vorhangs das ende verharren, ließ mir noch zustehende jahrzehnte auf einer wartenden seite anstehend entgegenzwinkern.

"unterschreib ich nicht!" kam es aus meinem zustand.

"und wieso nicht? da liegen sie im anschluß drei tage mit ’nem sandsack auf’m bauch, und mehr ist nicht!" sagte der mann im kittel.

"weil einer pro mille dabei stirbt, und ich spieler bin und zig mal diese ein-pro-mille-ausspielung an spielautomaten als gewinn abgefaßt habe! und weil meiner tante bei 'ner aufgedrängelten vorsorgeroutinedarmspiegelung der darm durchstoßen wurde und sie wie ein heißluftballon aufgegangen ist!"

"oh gott! oh gott! ich will nicht sterben!" kam es hinter dem vorhang durch.

"das ist doch was anderes!" sagte der arzt.

"unterschreib ich nicht! ich will hier raus!"

"das haben andere auch schon gesagt und kamen nach vierzehn tagen wieder, aber ein meter fünfzig tiefer!" antwortete er.

"oh gott! oh gott!" kam es vom anderen bett der blutenden frau.

"danke, sie können einem menschen wirklich mut machen! ich geh hier raus!"

"dafür müssen sie aber unterschreiben! auf eigene verantwortung!" gab er zurück.

"unterschreib ich!" sagte ich.

als ich auf der straße war, fing es an in strömen zu gießen. ein paar ecken weiter war die kneipe, in der ich häufig gehockt hatte, und mir fiel beim naßwerden ein, daß rotwein gefäßerweiternd und gut fürs herz sein sollte. ich kletterte auf einen der barhocker, bestellte roten wein und sah mich fröstelnd in gedanken in absehbarer zukunft auf der anderen seite des vorhangs, im lager der sterbenden frau. ich erschrak, zwei oder drei weibliche wesen kreischten wie aus dem nichts herzhaft aus einer nicht einsehbaren ecke der kneipe, irgendwie furchtbar irreal, wundersam obzön und vulgär und wirklich, und ich fegte mühelos das sehende vorhanggefühl beiseite.



landt

Leseprobe aus der Sonnenküsser

„umdrehen! gesicht zur wand!“, schrie mich jemand an.

ich drehte mich mit dem gesicht zur wand und blieb stehen.

ich weiß nicht, wie viel zeit verging, aber mir war, als wären es stunden gewesen.

irgendwann sprach mich wieder jemand an: „ab jetzt sind Sie strafgefangener! ziehen Sie alle Ihre sachen aus!“

ich zog alle meine sachen aus.

zwei wärter durchsuchten meine klamotten.

„machen Sie sich mal krumm!“

ich machte mich krumm.

„anziehen!“

ich zog mich an.

jemand drückte mir eine decke in die hand und sagte barsch: „gesicht zur wand!“

ich drehte mich erneut zur wand, hatte nun aber wenigstens eine decke, an die ich mich halten konnte. es war einfach besser, als mit leeren händen dazustehen.

„umdrehen! mitkommen!“

der kerl in seiner dunklen uniform schloss die gittertür zum gang auf, ging an zwei holztüren vorbei, schob an einer dritten zwei große riegel zur seite, schloss mehrmals mit einem langen schlüssel an einem gewichtigen bund die dicke holztür auf und sagte: „rein! wenn wir den verwahrraum aufschließen, haben Sie am äußersten ende der zelle zu stehen!“

ich ging rein, und sofort fiel hinter mir die tür zu. das schloss schepperte, und die riegel krachten. es waren durchdringende, mich lähmende geräusche. ich stand einfach nur da und krallte mich in meine decke.

als ich mich umblickte, sah ich nichts weiter als dicke farbplacken, die von den wänden hingen, irgendein altes grün. der blanke putz glotzte mich zwischen der abgeblätterten farbe an. ein zerschrammtes holzbrett hing, an zwei ketten befestigt, von der wand. ein großer zerkratzter kübel stand in einer ecke.

ich warf die decke auf das brett, ging zum kübel und hob den deckel an. ein scharfer gestank kam mir entgegen. ich kannte solch einen gestank von einer pissrinne in einem kneipenklo, doch das hier stank noch abgestandener. mir stockte der atem, und ich ließ den deckel zurück auf den kübel fallen.

in der zellentür sah ich eine klappe und ein schmales, verglastes rechteck. aber man konnte nicht hindurchschauen, das loch war offenbar von außen abgedeckt. die klappe unterhalb des loches ließ sich ebenfalls nur von außen betätigen.

ich begriff allmählich, wo ich war, begriff, dass ich nicht einfach meinen kopf aus einer zellentür heraushalten konnte. und selbst wenn ich es dürfte, würde ich es hier niemals freiwillig tun, zu unberechenbar erschienen mir auf einmal die gefahren ringsumher.

ich hockte mich auf das heruntergeklappte brett und wartete. eine ewigkeit verging, und ich wusste nicht, worauf ich eigentlich wartete. ich entdeckte eingeritzte, kraklige namen im holz, konnte zwei oder drei entziffern, doch sie sagten mir nichts. plötzlich wurde die zellentür aufgeschlossen. ich kam gerade noch von meinem brett herunter.

„mach, dass du nach hinten an die wand kommst!“, schrie mich jemand an.

ich sah zu, ans äußerste ende der zelle zu gelangen.

ein wachmann kam rein, stellte eine plastetasse auf das brett und legte etwas in zeitungspapier eingewickeltes daneben ab.

„deine verpflegung für den transport. und trink noch was“, bellte er mich an, verließ den raum und schloss die zellentür.

ich schaute in die plastetasse. sie war halb mit einer hellbraunen flüssigkeit gefüllt. ich hob die tasse zur nase und roch nichts, setzte sie an und stürzte das zeug in einem schluck hinter. es schmeckte nach nichts und stillte nicht im geringsten meinen durst.

als ich das zeitungspapier aufschlug, kam eine große stulle zum vorschein. ich klappte die hälften auseinander. eine dicke scheibe wurst lag in ihrer mitte. sie klemmte ohne einen weiteren aufstrich zwischen den beiden brotscheiben. die wurst bestand aus grauen fettstücken, und das verblasste rot der wurst hatte sich stellenweise in ein merkwürdiges grün verwandelt. als ich an der wurst roch, stieg mir ein unangenehmer geruch in die nase. er erinnerte an ranzige butter, nur dass ich nirgendwo butter auf dem brot ausmachen konnte.



landt

energie endlos aus Der Gang durch die Tüte

es gelang mir nicht,

über nichts nachzudenken.

der spielautomat zog seine kreise,

zog geldzahlen von seiner digitalanzeige ab,

und hinter seiner bunten glasscheibe

drehte sich eine eingeschlossene, lebendige fliege mit

in der monotonen, kreisenden bahn des stumpfen spiels.

energie endlos.

die fliege flog gegen den dreh des automaten.

es faszinierte mich.


ein spiel dauerte 15 sekunden,

und in den päuschen vor jedem neuen, entgegengesetzten dreh

schaute das insekt mir verwirrt und entsetzt in die augen.

ich mochte nicht unter den flügeln der fliege stecken.

ich steckte davor.

vielleicht war es schlimmer.

nicht zu denken,

derselbe traum, wie das leben als flucht vor dem tod.

ich gab umsonst mein geld.

war es die lust auf die leere,

die leere als biß für den nächsten aufgang der sonne?

bis der biß einen neuen kreislauf schloß?


der laden schloß.

die filege kam zur ruhe.

ich setzte mich ins auto,

suchte krampfhaft nach zigaretten,

fand weder geld noch was zu rauchen,

dachte auf der langen rückfahrt über das nichtdenken nach

und fuhr am nächsten tag zurück zur fliege.


landt

übergegangen aus In Echt

da stand ich nun im dunklen. noch war ich nicht allein. einen tag vor silvester. zwölf stunden zuvor stand ein mann von der abteilung inneres vor meiner tür und eröffnete mir die ausreise aus der ddr bis mitternacht.

meine ex-frau brachte hastig unser kind zu den großeltern und ich schaute der kleinen tochter in ihrem grünen mäntelchen hinterher, wie sie sich mit schnellen, trippelnden schritten dem eiligen gang ihrer mutter anpaßte. am sperrgürtel, fünf kilomter vor der staatsgrenze der ddr, kniff mir meine geschiedene frau ohne umarmung im abschied noch mal zwischen die beine, drehte sich um und fuhr im von ihrem vater für diese tour geliehenen "skoda" davon.

nie war ich allein. ein großer pappkoffer mit ein paar slips und anderen textilien und eine plastikschreibmaschine namens 'erika' standen neben mir. nicht lange. ein alter bus hielt vor mir an, die tür wurde von innen aufgestoßen und ein unfreundlicher mensch fragte: "sind sie landt? jürgen landt?" ich nickte.

"einsteigen!" sagte der mann. ich schnappte mir die 'erika' und den pappkoffer und stieg ein.

der bus fuhr mit uns an. eine für den öffentlichen verkehr stillgelegte allee schlich an uns vorbei. kahle, in der dunkelheit zusätzlich düster erscheinende bäume blickten im fahren zu uns rein. schwarze äste, pechschwarze kronen.

in der ferne tat sich grelles licht auf. ein riesiger platz wurde irgendwann sichtbar. mir war, als könnte es ein flugplatzgelände sein. doch mich erwarteten nur sechs oder acht uniformierte mit pelzmützen auf dem kopf. 'bärenfotzen' hatten wir diese kappen immer genannt. doch jetzt stimmten mich diese mützen nicht lustig.

die uniformierten öffneten von außen die tür. "landt?"

ich nickte und sagte: "johh!"

"austeigen!" rief einer der bekappten. "endstation!" hörte ich noch einen anderen.

ich stieg aus.

"identitätsbescheinigung der deutschen demokratischen republik!" sagte ein nächster.

ich griff in meine brusttasche und reichte dem kerl den wisch.

er klappte das ding auseinander, hielt es gegen eines der strahlenden flutlichter und meinte: "landt, keine staatsangehörigkeit mehr, kinder wurden ihm aberkannt, oder er hat keine, verwaltungsgebühr ist bezahlt, körpergröße ist groß, soll blaugraue augen haben und keine besonderen kennzeichen, wohnanschrift demmin! mitkommen!"

ich schnappte mir erneut den koffer und die schreibmaschine, ging mit, und der troß der uniformierten kreiste mich ein und ging denselben weg.

in einem gebäude angekommen, stellten sie sich um mich. "ausziehen!" hörte ich. "und zwar alles!" fügte jemand hinzu.

ein anderer warf eine decke vor meine füße, und dann zog ich mich aus. "koffer auspacken! inhalt ablegen!" ich packte meinen koffer aus. "auf die decke stellen! kniebeuge machen!" ich stellte mich auf die decke, streckte die arme nach vorne und machte diese nackten kniebeugen, dachte: 'wenn mir jetzt noch eine flasche apfelsaft aus dem arsch rutscht, bin ich mode.' doch mir rutschte nichts mehr raus.

die uniformierten durchsuchten meine sachen, fanden fünf fünfzigmarkscheine mit friedrich engels konterfei und legten das geld beiseite. alle klamotten und schuhe schoben sie durch eine röntgenanlage und bestrahlten das zeug. "unterhosen aufspannen!" ich mußte mich vor einen kerl stellen, meine slips auf die ersten drei finger jeder hand spannen und der typ mit seiner pelzmütze fühlte im gesichtsabstand unserer köpfe von zirka dreißig zentimetern die säume meiner unterhosen ab. wir schauten uns in die augen. ich konnte nichts weiter entdecken als meine alten slips in seinen pupillen, blickte auf das blechige emblem der ddr auf seiner pelzmütze und dachte an nichts anderes als an eine in letzter minute aufgedrängelte, langjährige haftstrafe für nichts weiter als das pech, daß man seine eingeweide auf dem falschen planeten eingebettet bekommen hatte.

"anziehen! einpacken!"

ich zog mich an und packte meinen kleiderkram zurück in den koffer, klappte der 'erika' den deckel ihrer dazugehörigen reiseumhüllung auf die tasten und stand einfach nur da.

"landt, es ist jetzt dreiundzwanzig uhr dreißig! sie haben bis null uhr die deutsche demokratische republik zu verlassen! zu fuß dürfen wir sie nicht rüberlassen! sehen sie zu, wie sie hier wegkommen!"

'doch noch zuchthaus, doch noch jahre im laufschritt! wegen republikflucht?' es zuckte durch meinen ganzen körper.

da stand ich im grellen scheinwerferlicht eines geländes, das kein flughafengelände war, angeleimt auf einem riesigen grenzposten, wohnhaft in demmin und staatenlos, mit einer zurückgelassenen tochter, blaugrauen augen und dem gefühl, so groß zu sein wie ein kleines, nach einem spiel absichtlich vergessenes plüschtier.

minuten später fuhr ein mercedes an einem vorgeschriebenen kontrollpunkt vor, ich rannte hin, sah zwei frauen in dicken pelzmänteln, erklärte ihnen meine lage, und sie meinten: "klar nehmen wir dich mit, greif den koffer und steig ein."

mein koffer und 'erika' landeten im kofferraum, ich selbst auf der breiten rückbank.

der mercedes rollte an, die uniformierten schauten mir nach, ein stückchen weiter saß ein anderer uniformierter in einem häuschen und die frauen sagten nur: "wir haben einen flüchtling aus dem osten drin!" der neue uniformierte nickte nur und winkte den wagen durch. "da kannst' ja jetzt untertauchen!" lachte eine der frauen.

"wo denn?" fragte ich.

"bei der raf!" lachte die andere.

die räder des wagens surrten auf der nächtlichen autobahn.

wir sagten lange gar nichts. irgendwann fragte ich: "wo fahren sie denn hin?"

"nach hamburg", antwortete die beifahrerin.

"gut, da steig' ich denn auch aus", sagte ich.

"wo denn da?" fragte die fahrerin.

"auf der reeperbahn", sagte ich knapp.

"auf der reeperbahn nachts um halb eins, was? schaffen wir aber nicht mehr ganz bis um halb eins!" sie lachten beide.



rechts und links der reeperbahn flackerten so viele bunte lichter, daß ich fast den koffer und die 'erika' beim aussteigen vergaß.

"den koffer noch!" sagte eine der frauen, fummelte in ihrer manteltasche, zog einen zwanzigmarkschein raus, sagte: "viel glück!" und gab ihn mir.

ich wechselte zig mal die fahrbahn, bekam brennenden durst, verlor den griff des koffers, marschierte durch einen unverschlossenen türeingang auf einen hinterhof, klaute mir eine abgehängte wäscheleine und schlang sie verknotend notdürftig um meinen koffer. jetzt konnte ich wieder die grünen ampeln passieren, mit vollgehangenen armen vor den lokalen stehen.

mein gaumen pappte mittlerweile zusammen und ein kerl sprach mich an: "kommen sie rein, junger mann! live-show! super frauen! eintritt frei! bier nur zehn mark! komm rein! live-fick-show!"

ich ging rein. spärliches licht umhüllte mich, es roch muffig und eine mittfünfzigerin mit vernarbtem bauch schlenkerte ihre riesigen bis auf die narben hängenden titten. ein paar ältere typen saßen einfach nur so rum.

ich bewegte mich auf die vordere sitzreihe zu, stellte den koffer und 'erika' links und rechts neben mir ab, setzte mich, schluckte meinen brennenden speichel und schaute auf die wulstigen bauchnarben der plump tanzenden frau.

"na süßer, was soll's sein?"

dick geschminkte augenlieder schauten müde auf mich runter. ich umklammerte den zwanziger in meiner hosentasche mit schwitzigen fingern. 'wenn ein bier einen zehner kostet, dann muß ich cola trinken!' schoß es mir durch den kopf.

"eine cola, bitte", sagte ich zu ihr.

"sofort, der herr", antwortete sie, war gleich zurück und stellte mir die cola hin.

"gleich zahlen, bitte", sagte ich.

"achtzehn mark", sagte die frau.

ich befühlte noch einmal den zwanziger, reichte ihn ihr und sagte: "stimmt so!", stürzte die cola runter, schnappte mir die beiden abgestellten teile und ging vor die tür.

"was' los? sind doch geile bräute hier!" meinte der kerl vor dem laden, "bist auf reisen, was?" rief er mir hinterher.

ich wartete auf grün, wechselte die straßenseite und schleppte mich zur beleuchteten, weithin erkennbaren polizeiwache.

es dauerte eine weile, bis ich dran war.

"was gibt's denn?" fragte mich ein uniformierter.

"guten tag, ich komme gerade aus der ddr. ich habe überhaupt kein geld. ich weiß gar nicht, was ich machen soll?"

"na, sie werden doch wohl jemanden kennen, der 'nen zippel leberwurst hat!" sagte der beamte der polizei.

irgendwer lallte dazwischen: "...mich echt abgelinkt, hat gesagt fünfzig für blasen und dann hat sie mein geld genommen und ist..."

ich sackte meinen pappkoffer an, spürte die ins fleisch schnürende wäscheleine, griff mir 'erika', sah wieder die blinkenden lichter, rannte ein paar mal die straßenseite hoch und runter und hörte immer wieder: "fick-shows vom feinsten! treten sie ein! eintritt frei! bier nur zehn mark...", spürte meinen schweiß antrocknen und wußte, daß es im winter spät hell werden würde.


landt

ein bisschen stummes küssen aus Ich nickte mit dem Mundgeruch

sie hörten, fühlten, sahen, rochen, schmeckten uns.

der mann küßte seine tomaten und mohrüben, knirschte mit dem sand auf seinen zähnen und war doch ein bißchen froh, daß die sich bei ihm ausruhenden 11 strauchtomaten durch sein wildes zungenküssen auf ihrer haut nicht verletzt worden waren. sie hätten verwundet den duftstoff methyljasmonat abgesondert, um ihre liegenden und hängenden nachbarn vor der drohenden gefahr menschmännlicher geilheit zu warnen.

"ich bin nicht geil." sagte der mann, "ich will nur sinnlichkeit vergeben. da kann mir nichts passieren. und die geschlechter der mohrüben und kartoffeln sind mir doch egal!" nahm er sich immer noch selbstredend die angst. "tabak küsse ich nicht!", blieb er bei und steckte sich eine filterzigarette an, spülte sich den sand der möhren aus dem mund und streichelte voller zuneigung eine harte wassermelone, pulte der salatgurke das zellophan von der schale, spielte an ihrem kleinen zipfel, wie an einer abgebundenen nabelschnur, kratzte sich mit dem anderen ende der gurke den rücken und warf lustvoll eine walnuß fast bis an die küchendecke, fing sie liebevoll abfedernd mit beiden händen wieder auf und legte sie behutsam zu ihren kameraden.

manchmal rauchte der mann über 200 zigaretten, bevor er zur ruhe kam, doch tabak küßte er nie. verletzte tabakblätter bildeten innerhalb weniger minuten den botenstoff jasmonsäure, welcher ihnen in knapp zwei stunden in die wurzeln gelangte und dort die produktion des nervengiftes nikotin anleierte. pro gramm konnte die pflanze dann mehr zellgift enthalten, als der rauch von 100 zigaretten. es war ihm bewußt. also verbrannte er den tabak nur,

bließ das ende der pflanze bis in seine blase.

sie schmeckten, rochen, fühlten, hörten, sahen alles. wie sollte sich ein mann verhalten? wie ein rundblättriger sonnentau? wie eine venusfliegenfalle? so gemein, wie der sich auflösende, wässrige sonnentau am morgen?

eine banane faulte ihm weg. er konnte sich nicht von ihr lösen.

affen gingen mit ihr anders um, und elefanten taten so, als scherten sie sich nicht um bäume. das rotwild und die wilden schweine fraßen ihm die zierlichen eicheln und kastanien weg, doch seine reisetaschen waren voller laub, und niemandem konnte der mann helfen.

die zugluft in den räumen schüttelte seine selleriekeimlinge durch. "schön, daß der zug der luft euch nun langsamer wachsen läßt, dafür werdet ihr aber meinen frost und meine trockenheit viel besser überleben!" schrie der mann seine keimlinge an. im selben moment tat ihm sein ton gegenüber den selleriekeimlingen leid. "doch gesagt ist gesagt.", ließ ihn sein gefühl der schuld leise sprechend verharren. aus den augenwinkeln schaute er heimlich seinen rankenden pflanzen zu. mit ihrem tastsinn kontrollierten sie seine leuchtende ikea-lampe. 'sie werden sie packen!', dachte der mann. "seid doch nicht so dumm und verbrennt euch!" rief er ihnen entgegen. "warum wollt ihr denn wissen wie menschliches leben funktioniert!? ihr dummerchen!" der mann rannte zur lampe und knipste sie aus, sah im spärlich erleuchteten aquarium, wie sich ein paar kleine fische mit einigen wasserpflanzen anlegten. er spürte einen tötungsdrang gegenüber seinen zierfischen, genauso einen drang wie zum töten seines nachbarn, welcher seine zimmerpflanzen im frühling gleich für längere zeit nach draußen gestellt hatte. sie hatten alle einen sonnenbrand.

"ich werde ihn killen!" sagte der mann, und seine stubenpalme ließ bei seinen worten schwerthaft ihre scharfen blätter aufhorchen. der mann griff einem bund radieschen ins fast wie brennessel brennende grünzeug, schleppte es baumelnd mit sich rum, und beim versehentlichen anrempeln seiner palme, schnitt er sich mit deren scharfen blättern ins fleisch.

blut tropfte auf seine leeren hanfbierflaschen. grüne flaschen, ohne pfand.



landt

kaktusblüte aus Immer alles kurz vorm Tod

sicherlich befanden wir uns beide kurz vor einer vollschacke.

mir war jedenfalls so, als würde mir aus einer noch nicht vorhandenen öffnung das gehirn auslaufen, und spürte, daß die seele sich im anstehenden ausfluß hineinbeißen würde, mir einen mehr als wirklichen strudel in der hinfälligkeit einer orientierung verpassen könnte.

die frau schnitt einen kaktus in ein paar einzelteile und schmierte sich den auslaufenden, milchigen saft der stachligen pflanze ins gesicht.

"wieso steckst du dir nicht die stacheln rein?" fragte ich in meinem matschigen gefühl.

"du hast keine ahnung! das ist gut für die haut!" sagte die frau,

kam zu mir rüber und küßte mich.

ihr küssen regte meinen matschigen zustand auf und ich zog ihr ein paarmal meine ganze zunge über ihr gesicht. die frau schmeckte bitter.

als sie die wohnung verlassen hatte, schwoll meine zunge an. meine lippen blähten sich auf und mein gesicht wurde feuerrot und glühte. ich stand vor dem spiegel und glaubte es nicht. das ganze gesicht stremmte und versuchte zu wachsen. mein gesicht machte dasselbe wie die zum mund gehörenden lippen, und der zum gesicht gehörende mund hatte zu tun, daß er noch die zum kopf gehörende zunge herausstrecken konnte.

ich rannte zum telefon und rief bei einem hautarzt an.

"bitte, ich brauche noch heute einen termin!" rief ich mit weinerlicher, verzweifelter stimme in den hörer, "mir schwillt so doll der kopf an, mein gesicht platzt gleich und die zunge wird immer dicker! bitte heute. bitte gleich."

"sind sie von insekten gestochen worden?" fragte die sprechstundenhilfe.

"nein, ich habe an einer frau geleckt! und die frau hatte sich mit kaktussaft eingeschmiert!"

"kommen sie vorbei." sagte die schwester.

ich steckte mich so schnell ich konnte in ein paar textilien und ein paar schuhe, rannte noch einmal zum telefon und rief meinen freund ulli an. ein hirn hockte aus dem dunkeln: "ulli, mir ist so furchtbar komisch, mein gesicht bläht auf, pusteln kommen da überall, die zunge ist ganz dick geworden und taub, und die lippen sehen aus wie blasen vom ballonkaugummi, mir platzt das alles bald, ist das ein ende, du!"

"war kaktusblüte bei dir?" fragte ulli.

"mensch, was denn für eine kaktusblüte!!!" schrie ich in den hörer.

"die frau, die sich immer am morgen danach mit saft von einem kaktus einschmiert! falls einer rumsteht."

"mensch ulli, eh!!" ich schmiß den hörer auf.

"kaktusblüte! kaktusblüte war bei mir!!!!" schrie ich durch die bude und stellte mich mit meinem verquollenen gesicht in den bus.

menschen schauten mich an und schauten wieder weg, und ein paar menschen schauten erst wieder weg, als sie aussteigen mußten.


der arzt war ein sehr alter mensch.

"mensch, wie seh'n sie denn aus???" fragte mich der alte mann.

"schlimm! ist es schlimm?" sagte ich fragend, so gut, wie es sich mit meiner taubfühlenden, angeschwollenen zunge sagen ließ.

"ich bin schon sehr lange arzt, aber sagen sie mir, was sie angestellt haben." fragte er mich.

"ich habe mit einer frau was gehabt, die sich mit saft von einem kaktus eingeschmiert hatte."

"was haben sie gehabt?"

"ich habe an der frau geleckt."

der alte arzt schüttelte den kopf. "hier, ich schreibe ihnen was auf, das wird ihnen etwas linderung vom pflanzengift verschaffen. die schwester gibt ihnen noch einen neuen termin." er schüttelte noch einmal seinen kopf, fügte ohne aufzuschauen hinzu: "und schmeißen sie den kaktus raus."


die menschen achteten erneut im bus auf mich. ich konnte nichts gegen ihr achten tun, doch zuhause warf ich meine kakteen raus,

ließ das telefon klingeln, trug vorsichtig eine salbe auf mein gesicht auf und kühlte meine zunge.




landt

schattenpraxis aus Bis zum Hals

das telefon klingelte.
es war gegen 3.oo uhr nachts.
der mann saß nackt auf seiner bettkante und ging ran: "hallo?"
"kannst du wieder nicht schlafen?" fragte eine frauenstimme, und bevor der mann 'ja' sagen konnte, legte die frau auf.
der mann setzte sich erneut auf die bettkante und dachte über die acht krummen, irgendwann mal in die wand geschlagenen nägel nach, machte sich lang und knipste das licht aus.
es ging nicht. er konnte wie immer nicht schlafen, machte das schlafzimmer wieder hell und schnappte sich etwas zum lesen. 'egal, hauptsache irgendwas blättern', dachte er, doch er kam nicht zum blättern, ging zum klingelnden telefon und fragte: "hallo?"
"du kannst nie nachts schlafen, nicht wahr? immer sehe ich dein licht an- und dein licht ausgehen, und hinter den steifen stoffvorhängen durchs schlafzimmerlicht deinen wandernden und oft erstarrten schatten. du bist einsam." die frau legte auf.
der mann löschte das licht, schob die ewig heruntergelassenen stoffjalousien einen spalt beiseite und schaute auf den gegenüberliegenden block.
kein licht in irgendeinem fenster, kein nichts.
der mann knipste die lampe wieder an und ging einen raum weiter.
er wartete, und als der apparat klingelte, sprang er sofort ran:
"ja, ich bin einsam, ich brauch zärtlichkeit, liebe, geborgenheit, zweisamphilosophiekeit, lippenzusammenpressung, mannfraukopfhaarzusammenverknotung, zweigeschlechtstextilvernähung, hautüberlappungsabrieb und niemals zank, hörst du, vierohrreibung, bauchnabelüberdeckungsschubbern, augenbrauenverknotungsziehen, hörst du, aber niemals.....", der mann stockte und hörte in den hörer. die frau war nicht mehr dran.
der mann rannte ins schlafzimmer, sprang auf`s bett und ließ seinen schatten tanzen.
das telefon klingelte.
der mann hörte auf zu springen und keuchte zurück ans telefon:
"hörst du, all das, wenn du zu mir rüberkommst! und übrigens hab ich 'ne geheimnummer! woher hast du meine nummer!?" fragte der mann.
"jeder mensch hat auch ein recht auf geheimnisse." antwortete die frau.
'die frau ist bei der deutschen telekom in der inlandauskunft!' durchströmte es seinen kopf.
"was machst du beruflich?" fragte der mann.
"schlaf gut." antwortete die frau und legte auf.
gegen mittag betrachtete der mann den wohnblock gegenüber seines schlafzimmers. er zählte 124 fenster, davon 40 mit balkons davor.
nichts. nichts verdächtiges war zu sehen.
ein paar leute rauchten auf ihren balkons, aus ein paar fenstern hingen staubtücher an wedelnden armen.
der mann dachte: 'wo mag sie bloß stecken!?', steckte sich selber etwas zum rauchen in den mund, pustete ein paar staubmäuse auf seinem fensterbrett in die höhe, beobachtete ihren schwebenden rieselflug in richtung seines bettes, sah den staub sich niederlegen, und dabei blieb es auch.

landt